Tierschutzverein fordert Taubenschlag
Die BNN berichten über die Forderung des Tierschutzvereins Bühl nach einem betreuten Taubenschlag – zum Schutz kranker Tiere und zur Kontrolle der Population.
Quelle: Badische Neueste Nachrichten (BNN), 15.08.2026 | Text und Fotos: Ursula Klöpfer | Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung, BNN-Lizenz 143-2026
Die Badischen Neuesten Nachrichten berichten über die Forderung des Tierschutzvereins Bühl nach einem betreuten Taubenschlag. Er soll kranken Tieren Schutz bieten und eine tierschutzgerechte Kontrolle der Population ermöglichen.
Lili – ein Notfall von vielen
Aufhänger des Artikels ist die kleine Rassetaube Lili, die eine besorgte Bürgerin völlig erschöpft, dehydriert und verletzt auf einem Feldweg fand und zum Tierschutzverein brachte. „Entweder wurde sie bewusst ausgesetzt, als Hochzeitstaube missbraucht oder von einem Greifvogel angegriffen“, erklärt Taubenexpertin Stefanie Faller. Bei ihr befinden sich derzeit mehrere geschwächte und kranke Tauben in Obhut – die Zahl der Notfälle steigt, gerade auch durch die Hitze.
Die Stadttaube ist kein Wildtier
Ein zentrales Anliegen des Vereins: Aufklärung darüber, dass die Stadttaube kein Wildtier ist. Sie wurde über Jahrhunderte vom Menschen gezüchtet – als Nahrungsquelle, Nachrichtenübermittlerin und Hochzeitstaube. Ihre Nachkommen leben heute in unseren Städten: gewissermaßen ein Haustier ohne Zuhause.
Genau darin liegt das Problem: Die Tiere finden schwer artgerechte Nahrung und sind gezwungen, Essensreste vom Boden aufzupicken. „Tauben sind Körnerfresser. Aus lauter Not fressen sie Brot und Zigarettenkippen“, so Vereinsvorsitzender Markus Kühl. Die meisten leiden unter Mangelernährung, Krankheiten oder Verletzungen. „Nicht die Existenz der Taube ist das Problem, sondern die Bedingungen, unter denen sie leben muss.“
Die Lösung: ein betreuter Taubenschlag
Ein Taubenschlag ist kein Ort, an dem noch mehr Tiere angesiedelt werden. Im Gegenteil: Er ermöglicht eine kontrollierte Regulierung der Population.
— Stefanie Faller, Taubenexpertin
In einem betreuten Taubenschlag werden die Tiere beobachtet, versorgt und bei Bedarf behandelt. Ein entscheidender Bestandteil ist die kontrollierte Fortpflanzung: Die gelegten Eier werden gegen Attrappen ausgetauscht. Die Tauben können ihrem natürlichen Brutverhalten nachgehen, es schlüpfen jedoch keine Jungtiere. So lässt sich die Population langfristig reduzieren – Tierschutz und Populationskontrolle gehen dabei Hand in Hand.
Auch für die Stadt bringt der Ansatz Vorteile: Werden die Tauben regelmäßig an einem geeigneten Ort versorgt, lassen sich Verschmutzungen reduzieren. Als Vorbild nennt der Verein das Augsburger Modell; zahlreiche Städte setzen inzwischen auf betreute Taubenschläge, etwa Achern und Kappelrodeck.
Der Tierschutzverein wünscht sich daher gemeinsam mit der Stadt Bühl eine Lösung. Denn eines sei sicher: Die Taube wird auch künftig zum Stadtbild gehören. Die Frage sei nicht, ob – sondern wie wir mit ihr umgehen wollen.
